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Informationen zu unserer Kirche


Geschichte:

Schon im 8./9. Jh. könnte in Oberhaselbach ein Kirchenbau existiert haben, wie das Martinspatrozinium nahelegt. Wie dem auch sei, eine Kirche in „Obernhaslpach" ist erst für 1508 bekannt. Bis zur Säkularisation (1803) unterhielt das Benediktinerkloster Prüfening (bei Regensburg) eine Güterpropstei in Oberhaselbach, die ein Konventuale von dort leitete. Dieser taucht ab 1766 als Seelsorgegeistlicher auf, obwohl es in Oberhaselbach nie eine förmlich errichtete Seelsorgestelle gab. Die bis 1838 auf dem Schlossgut ansässigen Eheleute Wolfgang und Franziska Limbrunner stifteten 1855 ein Frühmessbenefizium. Als ersten Benefiziaten bestimmte der Stifter (der bis 1870 in Straubing als Privatier ansässig war) den mit ihm verwandten Wallersdorfer Kooperator Wilhelm Neumeier. Seit 1968 ist der Pfarrer von Ascholtshausen zugleich Benefiziat in Oberhaselbach.

Von einem Kirchenbau der Spätgotik (wohl Anfang 16. Jh.), dem möglicherweise noch ein älteres Gebäude zugrunde lag, ist heute nur noch das Turmuntergeschoss erhalten. 1865 wurde der Turm vom Pfaffenberger Maurermeister Albert Riedisser (1830-1900) und Johann Lehner aus Ergoldsbach um ein spitzhelmbekröntes Glockengeschoss (mit zwei Glocken von 1849) erhöht. Riedisser war 1863/64 in Hofkirchen beschäftigt. Benefiziat Georg Wiesnet (1870-97) ließ aufgrund größerer Baufälligkeit die alte Kirche bis auf den Turm abbrechen und anschließend von dem Essenbacher Joseph Wiesbeck in neuromanischen Formen neu aufführen. Am 11. September 1880 konnte die feierliche Konsekration stattfinden. Die Innenausstattung des (laut der Inschrift über dem Hauptportal) im Mai 1877 begonnenen und schon im August vollendeten Saalraumes zu drei Fensterachsen mit nach Osten angefügtem Chor beschaffte man 1879 aus der Pfarrkirche von Oberschneiding bei Straubing - wohl durch den dort geborenen Stifter des Benefiziums, Wolfgang Limbrunner, vermittelt.


Ausstattung:

Der Eintritt ins Innere überrascht, denn man findet eine in dieser Einheitlichkeit nicht erwartete Barockausstattung vor. Die drei Altäre (um 1760/65) kamen 1879 aus Oberschneiding. Am Hochaltar lenken der Schutzpatron gegen Feuersnot, Florian, und der Pestheilige Rochus den Blick auf das zentrale Altarblatt, wo die berühmte Mantelteilung des hl. Martin dargestellt ist.
Dieser, um 316/17 im heutigen Ungarn als Sohn eines römischen Tribuns geboren, wurde mit 15 Jahren Soldat und nach Frankreich versetzt. In Amiens sprach -der Legende nach- an einem kalten Wintertag ein frierender Bettler zu ihm. Martin zögerte nicht, nahm sein Schwert und teilte mit dem Armen, der sich später als Christus zu erkennen gab, seinen Mantel. Später verließ er die Armee um sich 15 jährig taufen zu lassen und das erste abendländische Kloster (Liguge) zu gründen. 371 zum Bischof von Tours gewählt, galt Martin als großer Seelsorger und Gründer mehrerer Klöster. Nach seinem Tod am 8. November 397 wurde er drei Tage später, an seinem heutigen Gedenktag, in Tours bestattet. Das Auszugsbild zeigt den Kirchenpatron bei der Segnung von Armen in einem kellerartigen Raum.
Aufmerksamkeit verdienen auch die in den Tabernakelnischen aufgestellten Statuetten (Pestatron Sebastian und Florian) und das Altarkreuz. Am linken Seitenaltar begleiten der Riese Christophorus (griech. „Christusträger") und Dionysius, der - so weiß es die Legende -seinen Kopf vom Ort seiner Hinrichtung in Montmartre zum gewünschten Bestattungsort trug, eine Marienfigur des 19. Jh. Den Tabernakel auf der Predella flankieren zwei Kästen mit kunstvoll in Klosterarbeiten gehüllten Reliquien. Am rechten Pendant erscheinen der wegen seiner konsequenten Wahrung des Beichtgeheimnisses vom Prager Herzog Wenzel in der Moldau ertränkte Johann Nepomuk sowie Antonius von Padua, der das Jesuskind in Händen hält, weil es ihm beim Studium erschienen sein soll. In der Mitte steht ein Bildwerk des Auferstandenen. Auf der Tabernakeltür hat der Pfaffenberger Kunstmaler Alois Kainz den die Ortschaft beschützenden Erlöser dargestellt.
Besonders aufwändig ist die gleichwohl aus Oberschneiding beschaffte Kanzel. Aufgrund stilkritischer Untersuchungen gilt sie seit Karl Tyroller (1984) als Werk des in Straubing ansässigen Bildhauers Mathias Obermayr(1720-99). Obermayr war vor allem in Straubing und Umgebung, z. B. in der Klosterkirche Mallersdorf, tätig. Am reich geschwungenen Korb sitzen Putten, welche die vier Evangelisten symbolisieren: Löwe für Markus, Adler für Johannes, Engel für Matthäus, Stier für Lukas. Auf dem Schalldeckel steht der wild gestikulierende Prediger Paulus.
Die modernen, um 1950 zusammen mit der Stuck imitierenden Malerei von dem ungarischen Künstler Imre Gruber hergestellten Deckenfresken, zeigen Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons. Auch die beiden Altarbilder sind von ihm. Der Künstler stammte übrigens aus Szombathely. Zur Römerzeit hieß die Stadt "Savaria". Es ist auch der Geburtsort des Hl. Martin.
1834 baute Johann Nikolaus David Heinssen eine Orgel. Das jetzige Werk stammt von Ludwig Edenhofer aus Regen (um 1880).

Quelle: Kirchenführer der Pfarrei Ascholtshausen von 2008


Mehr Bilder unserer und vieler weiterer Kirchen der Umgebung finden sie auf den Seiten des Hofkirchener Hobbyfotografen Richard Stadler